Der erste Virtuelle Fischereiverein

Die Idee des “Wild-life-management”

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Unter “Wild-life-management” versteht man die beabsichtigte Einflussnahme des Menschen in Netzwerke und Regelkreise in der wildlebenden Pflanzen- und Tierwelt. In der USA ist dieser Begriff auch in der breiten Öffentlichkeit schon länger geläufig. Ich finde das dieser Begriff genau den Konsens und das Gedankengut beinhaltet, welche in die Köpfe der Nutzer und Schützer (welche durchaus auch in Einzelpersonen vereint sein können…) unserer Natur einkehren sollten.

Einfluss des Menschen
Es ist unbestritten so, dass die Zivilisation einen ungeheuren Einfluss auf Ihre Umwelt ausübt. Befinden wir uns in dicht besiedeltem Gebiet, wie dies in Europa, speziell auch in der Schweiz, besonders im Mittelland der Fall ist, ist dieser Einfluss wohl am grössten. Die Fliessgewässer gehören mit Sicherheit zu den am meisten beeinträchtigten Lebensräumen. Gelitten haben darunter neben vielen anderen Tieren und Pflanzen besonders auch die Fische. Der Lebensraum der Bachforelle wird von uns Menschen zum Beispiel durch Beeinträchtigungen der Gewässermorphologie, wie Begradigungen und Verbauungen von Bächen und Flüssen, durch Eingriffe in den Kieshaushalt, durch Verschlechterung der Wasserqualität und durch Klimaveränderungen bedroht. Aus diesen Gründen ist die Bachforelle in vielen Mittellandgewässern in der Zwischenzeit zu einer bedrohten Art geworden.

Räuber und Beute
Zwischen Räuber und Beute gab es in der Natur mittel- und langfristig betrachtet immer ein Gleichgewicht. Doch durch die Existenz des Menschen – die nun einmal nicht mehr wegzudenken ist – werden diese Gleichgewichte unbeabsichtigt ständig beeinträchtigt. Nehmen wir das Beispiel Bachforelle und Gänsesäger. Während im schweizer Mittelland die Bachforelle aus den erwähnten Gründen bedroht ist, nimmt der Winterbestand von Gänsesägern in Fliessgewässern im schweizerischen Mittelland seit Jahren zu. Sei dies zum Beispiel weil die Fische in den durch den Menschen begradigten Gewässern zur leichten Beute werden – oder vielleicht weil Gänsessäger aus ursprünglichen Jagdgebieten aufgrund von durch den Menschen verursachten Fischrückgängen in andere Jagdgründe ausweichen müssen. Tatsache ist, dass dann in einzelnen Fliessgewässern fischfressende Räuber auf eine durch den Menschen reduziert vorkommende Beute treffen – oder möglicherweise sogar durch den Menschen verursacht vermehrt vorkommende Räuber auf eine durch den Menschen reduziert vorkommende Beute treffen. Sprich: jeden Winter treffen unnatürlich viele Gänsesäger auf unnatürlich wenig Bachforellen. Wir haben im Winter also ein kurzzeitiges Ungleichgewicht zwischen Räuber und Beute.

Die Bachforelle – eine bedrohte Art
Wenn nun die Beute, in diesem Fall eben die Bachforelle, als Art in ihrem Lebensraum bedroht ist, dann gilt es natürlich in erster Linie wieder einen möglichst naturnahen Lebensraum herzustellen, also die Beeinträchtigungen durch den Menschen zu reduzieren. Dies wird getan indem Gewässer so weit möglich und finanzierbar renaturiert und revitalisiert werden und beispielsweise versucht wird die Einleitung von Schadstoffen zu verringern. Reichen diese Massnahmen aber nicht aus um das mittelfristige Gleichgewicht zwischen Räuber und Beute, sprich zwischen Gänsesäger und Bachforelle wieder herzustellen, wie dies heute leider mehrheitlich  der Fall ist, dann sollte der Mensch die Pflicht haben zusätzlich zu den anzustrebenden Lebensraumverbesserungen die bedrohte Art, in diesem Fall also die Bachforelle durch eine Reduktion der Räuber, also in diesem Fall der Gänsesäger, zu schützen.

Auch in der Schweiz nötig
In der Zukunft sollten Nutzer und Schützer überzeugt werden, dass es sich lohnt, sich auch für nur lokal bedrohte Arten durch gezielte regulatorische Massnahmen einzusetzen. Nur dann werden verschiedene in lokalen Lebensräumen bedrohte Tierarten eine Chance bekommen, langfristig zu überleben. Ein wohlüberlegtes “Wild-life-management” haben wir auch in der Schweiz dringend nötig. Interessensvertreter haben sich in der Schweiz in einem Verein, dem IWMC-CH (International Wildlife Management Consortium, nationaler Zweig Schweiz), zusammengeschlossen. Ein Beitritt des schweizerischen Fischereiverbandes ist wohl wünschenswert. Mitglieder der Geschäftsleitung pflegen bereits Kontakte.

Dr. med. vet. Matthias Escher

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